Auf der
vorausgehenden Seite wurde versucht die Frage zu klären, was die Liebe für unser Leben
bedeutet. Die Meinung, dass die Liebe lediglich eine Emotion, beruhend auf neurochemische
Reaktionen ist, dürfte einigen romantisch veranlagten Naturen völlig unzureichend
erscheinen. Deshalb soll auf dieser Seite auf folgende Frage eingegangen werden.
Beziehungen, die ein Leben lang halten gibt es, doch gibt es auch die romantische Liebe,
die ein Leben lang anhält? Zuvor noch eine andere Frage.
Was ist Romantik?
Um die Frage zu klären,
was eine romantische Liebe ist, sollte der eigentliche Begriff Romantik kurz geklärt
werden. Sucht man nach einer Definition, so wird man kaum fündig. Höchstens noch
insoweit, dass mit Romantik auch eine kulturgeschichtliche Epoche bezeichnet wird. Der
kulturell und künstlerisch tätige Romantiker ging im Zeitraum von Ende des 18.
Jahrhunderts bis Mitte des 19. Jahrhunderts von einer entzweiten Welt aus, die in
rationales Denken auf der einen Seite und der Welt der Gefühle auf der anderen Seite,
gespalten war. Diese gespaltene Welt versuchten nun romantisch veranlagte Dichter und
Komponisten, mit und in ihren Werken wieder in eine heile Welt zu verwandeln. Als Motive
dienten hierbei Gestalten aus alten Märchen und Mythen, als Kulisse für die Handlungen
dienten Orte, die wir heute als romantisch bezeichnen würden, bzw. die in eine
romantische Idylle versetzt wurden.
Davon ausgehend wäre eine
romantische Liebe, eine Beziehung, die zum Beispiel in einem verwunschen Schloss ihren
Anfang nehmen könnte. Doch auch eine blühende Sommerwiese, mit duftenden Blumen, einen
sprudelnden Bach, dazu einige Feen und Elfen, würde sich gut als Kulisse für eine sich
anbahnende Liebesbeziehung eignen. Ebenso ein erster gemeinsamer Spaziergang in einen von
Nebelschwaden verhüllten Park. Und da das 18. Jahrhundert doch schon etwas länger her
ist, so würde auch ein gemeinsamer nächtlicher Spaziergang, bei Mondschein und
sternenklaren Himmel, der unter einer Laterne endet, sicher alle Ansprüche unserer Tage
an Romantik erfüllen. Doch all dies wären nur romantische Erlebnisse in einer
Liebesbeziehung, doch noch keine romantische Liebe.
Was ist eine romantische
Liebe?
Eigentlich könnte man die
Antwort ganz kurz fassen, eine romantische Liebe ist eine Beziehung, die uns in eine
andere Welt versetzt. Eine Welt, die etwas zauberhaftes und Märchenhaftes an sich hat.
Die Welt ist noch die gleiche, doch durch eine romantische Liebe wird sie etwas schöner,
etwas verträumter, etwas märchenhafter, etwas rosenroter, etwas beschwingter. Wir
brauchen nicht zu romantischen Orten zu fahren, um in romantischen Gefühlen zu schwelgen.
Diese romantische Liebe gibt es, keine Frage, doch ist diese auch dauerhaft und kann ein
Leben lang anhalten?
Auf diese Frage kommt von
Seiten der Wissenschaft ein klares Nein. Doch warum ist dies so? Hierzu müssen zwei
Lebensabschnitte in einer Beziehung gesondert betrachtet werden. Der erste Abschnitt
beinhaltet die Zeit des Kennenlernens. In dieser Phase ist die Liebe eigentlich keine
Liebe, sondern ein "Verliebtsein". Nach der Zeit des Kennenlernens und des
Verliebseins kommt erst die eigentliche und hoffentlich beständige Beziehung und die Zeit
der beständigen Liebe.
In der Zeit des
Verliebseins reagiert unser Körper mit der Ausschüttung von chemischen Botenstoffen und
der Verknüpfung neuer neuronaler Verbindungen, die unseren Verstand benebeln und uns in
einem Rausch von Glückszuständen versetzen. Alles dient von Seiten der Natur zur
Erhaltung der Art
[1]. Doch früher oder später wurde von Seiten der Natur alles eingeleitet, was
zur Paarung und Bindung erforderlich war, die Botenstoffe haben ihre Wirkung erzielt, der
Nachwuchs ist gesichert, die Art bleibt erhalten. Was danach zum Erhalt der Art von Nöten
ist, dass sind nicht mehr zwei durch den Rausch der Liebe benebelte Menschen, sondern zwei
nüchtern und rational denkende Eltern, die sich nun mit wieder kühlen und klaren Kopf
der Betreuung des Nachwuchses widmen. Um dieses zu gewährleisten, werden alle Botenstoffe
spätestens nach einem Jahr wieder auf das Ausgangsniveau zurückgefahren.
In der einen oder anderen
Beziehung reift dann die Einsicht, dass man eigentlich mehr blind vor liebe war, den Wald
vor lauter Bäumen nicht sah und eigentlich doch gar nicht zueinander passt. Es folgt die
Trennung und eine erneute Liebe, die auch nicht wesentlich anders endet. Andere raufen
sich zusammen und leben so mehr schlecht als recht nebeneinander her, oft mit dem Gefühl
am wahren Leben, an der wahren Liebe und am wahren Glück vorbei gegangen zu sein.
Doch dann gibt auch noch
die, die sich auch weiterhin bemühen das Beste aus einer gemeinsamen Beziehung zu machen.
Bei diesen ist ebenfalls die Zeit der romantischen Liebe vorbei, die Botenstoffe sind
längst abgebaut und auf Normalniveau herunter gefahren. Nicht aber die einmal geknüpften
neuronalen Nervenverbindungen. Diese bleiben bestehen. Schöne Erlebnisse bleiben in der
Erinnerung erhalten und verbinden ein Leben lang bei jedem späteren Gedanken an diese.
Zwar hat sich auch hier die romantischen Liebe verflüchtigt, was jedoch nicht
zwangläufig bedeutet, keine romantischen Erlebnisse mehr im Leben zu genießen.
Die Romantik im Leben
entspringt der eigenen Gedankenwelt, man darf nur das Träumen nicht verlernen. Eben
dieses unterscheidet uns vom Tier.
Die nächste Seite
beschäftigt sich mit dem Thema Liebeskummer, der eigentlich das absolute Tief nach einer
romantischen Liebe bedeutet.