An die
Antigene lagern sich weitere T-Lymphocyten an. Es sind T-Killerzellen. Auch von ihnen
können sich nur diejenigen anlagern, die den zum Antigen spezifisch passenden Rezeptor
besitzen. Die durch Antigenbindung ausgewählten T-Lymphocyten werden durch den
Signalstoff IL2 der T-Helferzellen aktiviert. Nun beginnen sic die T-Killerzellen zu
teilen. Nach etwa 10 Teilungsschritten sind ungefähr tausend klonierte Zellen entstanden.
Diese Zellvermehrung wird durch eine andere T-Zellgruppe, die T-Supressorzellen, beendet.
Die Zellen des entstandenen Klons tragen an ihrer Oberfläche alle den gleichen
T-Zellrezeptortyp. Einige Zellen werden zu Gedächtniszellen. Die Anderen verbinden sich
mit den Antigenen, die an den Zelloberflächen sitzen und die Vermehrung der T-Zellen
ausgelöst haben.
Die Killerzellen docken nun an die infizierte Zelle an und senden Substanzen ab, die die
Zielzelle dazu veranlassen sich selbst zu zerstören.
Das Signalprotein IL2 aktiviert auch die B-Lymphocyten, die durch ihre Rezeptoren die
Antigene erkannt haben. Diese beginnen nun Antikörper zu bilden. Wenn diese Antikörper
auf ihre zu zerstörenden Antigene treffen, bewirken sie eine Verklumpung und machen so
die Viren unschädlich.
Wie kann man sich
infizieren ?
Die Infektion mit HIV
erfolgt generell durch den Austausch von Körperflüssigkeiten. Man findet HIV in
äußerst geringer Konzentration im Speichel und der Tränenflüssigkeit und in mittleren
bis hohen Konzentrationen im Blut, in der Lymph-, Samen- und Vaginalflüssigkeit
infizierter Personen.
Die größten Risiken, infiziert zu werden, stellen von daher die Transfusion infizierten
Blutes sowie Geschlechtsverkehr mit einer HIV-positiven Person dar.
Durch kleine Wunden können die Viren in die Blutbahngelangen und mit den Wirtszellen in
Kontakt kommen. Aber auch die unverletzte Haut des Genitaltrakts kann Viren aufnehmen und
durch sie infiziert werden.
Weitere wichtige Infektionswege sind der Austausch von Injektionsnadeln bei der
intravenösen Verabreichung von Drogen, sowie einige aus Blut hergestellte Medikamente zur
Blutgerinnung, bei denen die Virusinaktivierung früher nicht durchgeführt wurde. Die
Möglichkeit einer Verunreinigung dieser Medikamente mit HIV kann heut aber sehr sicher
ausgeschlossen werden.
Da auch Muttermilch Viren enthält, sollten HIV infizierte
Frauen nicht stillen.
Was geschieht im Körper
einer infizierten Person?
Alle Reaktionen einer
Immunantwort sind auch an der Abwehr von HIV beteiligt, nur dass das Virus ausgerechnet
T-Helferzellen und Makrophagen befällt. Nach ihrem Eindringen in die Blutbahn treffen die
Viren auf ihre Wirtszellen, die sich ebenfalls im Blut befinden. Die Proteine in der
Lipidhülle der HIViren passen wie ein Schlüssel zu bestimmten Oberflächenproteinen
menschlicher Zellen, den so genannten CD4-Proteinen. Alle Zellen mit CD4-Proteinen auf der
Oberfläche sind Wirte für HIV. Dies sind beim Menschen nur bestimmte Zellen und zwar
hauptsächlich T-Helferzellen des Immunsystems. Aber auch Makrophagen, die so genannten
Freßzellen des Immunsystems, sowie einige Nervenzellen besitzen CD4-Proteine auf ihrer
Oberfläche.
Nach neueren Erkenntnissen ist ein Makrophag die zuerst infizierte Zelle. Bei der
Primärinfektion sind danach aber im Blut hauptsächlich T-Helferzellen betroffen, da sie
die größte Menge an CD4-Proteinen auf ihrer Oberfläche tragen. Nachdem sich ein HIVirus
an ein CD4-Protein einer Wirtszelle angeheftet hat, dringt es in das Cytoplasma der
Wirtszelle ein und überträgt seine Erbinformation in die Wirtszelle. Da die
Erbinformation des Virus in RNA gespeichert ist, muss sie vor dem Einbau in die DNA der
Wirtszelle auch in DNA umgeschrieben werden. Diese Aufgabe übernimmt eine reverse - also
umgekehrte - Transkriptase. Deswegen bezeichnet man die HIViren auch als Retroviren.
Nach der Infektion vermehrt es sich zunächst eine weile ungehindert. Während die Zahl
freier HIViren im Blut schnell steigt, fällt die der T-Helferzellen rapide. Diese gehen
nämlich zugrunde, wenn neue virale Partikel zu Tausenden aus der Zellmembran knospen.
Bald jedoch bauen T-Killerzellen und B-Lymphocyten eine starke Abwehr auf; infizierte
Zellen und freie virale Partikel werden in großer Zahl beseitigt. Das hält die weitere
Vermehrung des Erregers in Grenzen und gibt dem Körper Gelegenheit, mit dem Nachschub an
Helferzellen nachzukommen und deren Anteil - wenigstens einige Zeit - wieder auf nahezu
normales Niveau zu bringen. Die Infektion besteht indes weiter.