Vorwort in eigener Sache:
Wenn hier teilweise das
literarische Werk "Die Novemberrevolution", von Herrmann Müller-Franken,
veröffentlicht wird, so geschieht dies vorrangig aus dem Grunde, um den Leser die
Ereignisse jener Zeit aus der Sichtweise damaliger Politiker zu vermitteln. Diese
Veröffentlichung soll kein Spiegelbild meiner eigenen Sichtweise betreffend des damaligen
Zeitgeschehens ergeben.
Soweit mir bekannt ist,
verlischt das Urheberrecht, entsprechend § 64 des Urhebergesetzes, 70 Jahre nach dem Tod
des Autors. Ich gehe somit davon aus, dass bei der hier teilweisen erfolgten Wiedergabe
des vorliegenden Werkes "Die Novemberrevolution" von Reichskanzler Hermann
Müller-Franken, verstorben am 20. März 1931, keine Urheberrechtsverletzung vorliegt.
Sollte durch diese Veröffentlichung dennoch anderweitige Rechte oder Urheberrechte
verletzt werden, so bedarf es nicht einer Abmahnung, sondern ich möchte in diesem Fall
nur um einen kurzen Bescheid mit Angabe der Gründe bitten.
H. Müller
info@meridianerland.com
Die Novemberrevolution
I.
II.
III.
IV.
V.
VI.
VII.
VIII.
IX.
X.
XI.
XII.
XIII.
XIV.
XV.
XVI.
XVII.
XVIII. |
Die Ursachen
der Revolution
Meine Reise nach Hamburg
Der 9. November in Berlin
Der 10. November
Der Rat der Volksbeauftragten
Der Vollzugsrat der Sozialistischen Deutschen Republik
Der Kampf um die Macht
Der 6. Dezember 1918
Die Konferenz der Ministerpräsidenten und die deutsche Außenpolitik
Um das Heer der Republik
Um die Sozialisierung
Der erste Rätekongreß
Der Kampf um Schloß und Marstall
Die erste Regierungskrise der Republik
Aus der Zentralratzeit
Der Januaraufstand 1919
Die Ermordung von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg
Die neue Gesetzlichkeit |
Der Bücherkreis GmbH, Berlin - 1928
Die Ursachen der Revolution
Wer sich an die
Novembertage des Jahres 1918 gerne erinnert, wird die Frage, ob wir überhaupt eine
Revolution hatten, gefühlsmäßig ohne weiteres bejahen. Es gibt aber auch heute noch mit
den Ergebnissen der Revolution unzufriedene Republikaner, die behaupten, dass sich in
Deutschland gegen die Vorkriegszeit fast gar nichts geändert habe, dass wir sozusagen
eine Monarchie mit einem republikanischen Vorzeichen hätten. Ich bin der letzte, der
verkennt, wie viel noch zu tun ist, bis alle Einrichtungen der deutschen Republik von
wahrhaft republikanischen Geist erfüllt sein werden, bis sich eine wirkliche
demokratische Tradition in Deutschland entwickelt haben wird. Aber wir wollen über den
Mängeln der Republik von heute nicht vergessen, was eigentlich vor dem Kriege war.
Vor dem Kriege waren die Träger der europäischen Reaktion der absolutistische
Zarismus, der durch Schlamperei gemilderte Absolutismus der Habsburger und der den
Volkswillen verachtende, sich auf die preußischen Bajonette stützende Halbabsolutismus
Wilhelms II. Fest schien von den Trägern nur das wilhelminische Reich zu stehen, das sich
auf die vollkommenste Militärmaschine der Welt stützte. Dieser preußisch-deutsche
Militarismus kapitulierte am 9. November 1918 vor dem Volke. Das war das Ende des
Obrigkeitsstaats. Das Volk nahm nun sein Schicksal selbst in die Hand. Verdient dieser
Systemwechsel nicht den Namen einer Revolution?
Andererseits gibt es gute friedliebende Demokraten in Deutschland, die behaupten, daß
eine Revolution eigentlich gar nicht mehr nötig gewesen sei. Denn die
Verfassungsänderung, die den parlamentarischen Staat in Deutschland begründen sollte,
habe der Reichstag bereits vom 2. bis 26. Oktober 1918 beschlossen, und Wilhelm II. habe
darunter am 28. Oktober 1918 seine Unterschrift gesetzt. Dass das unter dem Drucke nicht
missverständlicher Äußerungen Wilsons so geschehen war, ist an sich richtig. Der
Parlamentarismus ist in Deutschland nicht erst durch die Verfassung von Weimar eingeführt
worden. Aber ebenso richtig ist, daß diese Reform im November 1918 dem deutschen Volke
nicht mehr genügte.
Seite 1 - Die Novemberrevolution * Kapitel I - Die Ursachen der Revolution